Sorge vor Corona überwiegt gefährlich

Kardiologen appellieren an Patienten, notwendige Kontrollen nicht zu verschieben

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie thematisiert im Mai die Herzschwäche. Der 17. Mai ist Welthypertonietag und weist auf die Gefährlichkeit von Bluthochdruck hin, Hauptrisikofaktor für eine Herzschwäche. Darauf machen die Kardiologen Prof. Dr. Sebastian Maier und Dr. Regine Langer-Huber aufmerksam. Mit allem Grund. Sie stellen fest, dass Corona viele Patienten mit vielzitierten Vorerkrankungen so in Sorge versetzt, dass sie notwendige medizinische Checks ausfallen lassen.

Die Hälfte aller Herzinfarkte und Schlaganfälle gehe auf das Konto von Bluthochdruck. „Und wir haben gelernt, dass Covid-19-Patienten schlechter überleben, wenn sie Bluthochdruck haben", sagt Prof. Sebastian Maier, Chefarzt der Kardiologie am Klinikum St. Elisabeth, die wissenschaftlicher wie klinischer Partner des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz ist. Bei Coronatoten ist meist die Rede von der fatalen Kombination mit Vorerkrankungen. Dabei spielen Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, hohes Cholesterin (das sogenannte metabolische Syndrom oder tödliches Quartett) und Herzerkrankungen eine Rolle. Das Virus scheint vor allem Gefäße von Lunge und Herz anzugreifen und führt häufig zu Veränderungen der Blutgerinnung.

Die Sorge vor einer Corona-Infektion überwiege derzeit alles, so der Eindruck von Dr. Regine Langer-Huber. Kontrolltermine würden von Patienten verschoben, telefonische Beratungen nehmen zu. Der Gang in Praxen werde vielfach vermieden, angezeigte Therapieänderungen bei Herz-Symptomen und Bluthochdruck „eher verzögert".

Mehr verschleppte Krankheitsverläufe

„Wir beobachten, dass die Patienten viel später als sonst die Ärzte aufsuchen", bestätigt Prof. Sebastian Maier. „Aus Angst vor Ansteckung beim Arzt oder Kontakt mit Coronapatienten in einer Klinik." Im Klinikum seien aktuell insgesamt weniger Patienten mit akutem Herzinfarkt zu verzeichnen, dafür sieht Prof. Maier deutlich mehr verschleppte Krankheitsverläufe. Wenn Patienten sich vorstellten, dann meist mit sehr ausgeprägten und leider schon abgelaufenen Herzinfarkten, also zu spät, um den Schaden durch den Infarkt dann noch eindämmen zu können, sagt er und sieht mit großer Sorge, dass Menschen zuhause Krankheitsbeschwerden aussitzen.

Falsche Befürchtungen wegen Medikamenten

„Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute. Das gilt auch in Zeiten von Corona." Während sich die Notaufnahmen bundesweit leerten, füllten sich die Stationen mit Patienten, die zum Beispiel aufgrund eines verschleppten Infarktes eine Herzinsuffizienz entwickeln oder unter Herzrhythmusstörungen leiden, Komplikationen, die man verhindern könne, wenn man rechtzeitig in eine Klinik komme. Patienten könnten sicher sein, dass Praxen oder Kliniken sie so einbestellten, dass das Risiko möglichst gering sei - „keine vollen Wartezimmer sowie selbstverständlich Masken, Einhalten von Abstand und Hygienevorschriften". Im Zweifelsfall sollte man einfach vorher telefonisch anfragen. Die Kardiologen erleben auch, dass Befürchtungen im Umlauf sind, man solle bestimmte Blutdruckmittel wie ACE-Hemmer nicht nehmen, weil sich das Virus auf ACE-Rezeptoren setze. „Das Gegenteil ist wahrscheinlich der Fall: Eine gute Blutdruckbehandlung schützt vor einem fatalen Verlauf bei Covid-19-Infektionen", versichern beide Kardiologen.

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Schwerere Verläufe bei Rauchern

Zum Stichwort Rauchen sagt Prof. Maier, dass es zwar nicht die Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung mit Covid-19 erhöhe, aber fortgesetztes Rauchen zu einem schlimmeren Verlauf beitrage, falls man sich infiziert. Zumindest im Vergleich zu Ex- und Nie-Rauchern.

Vorbeugung gegen Corona? Das erste Gebot ist Abstand halten und auf Hygiene achten. Sport, Bewegung an frischer Luft und gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse, genug Schlaf und wenig Alkohol seien generell gut, um das Immunsystem zu unterstützen – nicht nur während der Pandemie.

Info

Das Klinikum St. Elisabeth gibt mit dem Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg acht goldene Regeln für ein starkes Herz an: Normalgewicht halten, gesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Fisch, wenig Fleisch und Salz; täglich Bewegung, kein dauerhafter Stress, regelmäßige Entspannung, wenig Alkohol, nicht rauchen, Gesundheits-Check-ups beim Hausarzt. Wer trotz Präventionsmaßnahmen unter Atemnot leidet, Schwellungen an den Beinen entdeckt, müde und nicht mehr so leistungsfähig ist, solle einen Arzt aufsuchen.

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Notwendige Arzttermine sollten trotz Coronakrise nicht auf die lange Bank geschoben werden, insbesondere nicht von Patienten mit Vorerkrankungen, so der Rat von Prof. Dr. Sebastian Maier, Chefarzt der Kardiologie am Klinikum St. Elisabeth, und der niedergelassenen Kardiologin Dr. Regine Langer-Huber. Foto: Daniel Karmann/dpa