Risikofaktoren eindämmen

Plötzlicher Herztod Thema beim Herztag – Tipps und medizinische Erklärungen

Das Thema „plötzlicher Herztod“ war beim alljährlichen Herztag breit aufgestellt. Bei der Infoveranstaltung im Magnobonus-Markmiller-Saal am Dienstagabend wurde deutlich, dass der plötzliche Herztod eine Komplikation von langjährigen Herzerkrankungen sein kann. Um das zu vermeiden, gelte es, Herzerkrankungen und Risikofaktoren zu erkennen und zu behandeln.

Die Deutsche Herzstiftung, die den Herztag ausgerufen hatte, arbeite völlig unabhängig sowohl von der Pharmazie als auch der Politik, und sei mitglieder- und spendenbasiert, wie Elke Mehr von der Deutschen Herzstiftung erläuterte.

Der Herztag biete einen wichtigen Austausch, stellte Oberbürgermeister Markus Pannermayr fest. Elke Mehr von der Deutschen Herzstiftung war positiv vom guten Besuch überrascht und verwies auf die Brisanz des Themas. Die Deutsche Herzstiftung sei mit 100 000 Mitgliedern die größte Patientenvereinigung, erläuterte sie. Die Deutsche Herzstiftung wurde vor 40 Jahren gegründet und investiert in viele Forschungsprojekte, die es nicht zum Nulltarif gebe.

Kammerflimmern ist eine unkontrollierte Herztätigkeit, erläuterte Dr. Regine Langer-Huber. Die Häufigkeit eines plötzlichen Herztodes liegt bei 65 000 bis 200 000 Menschen, das wären – auf Straubing heruntergerechnet – 45 Personen im Jahr. Die Risikofaktoren sind altersbedingt unterschiedlich, Herzerkrankungen werden oft per Zufallsbefund erkannt, so Dr. Langer-Huber. Aber auch bestimmte Medikamente können einen Risikofaktor für einen plötzlichen Herztod darstellen. Die Kardiologin benannte aber auch Drogen, Rauchen und Alkohol als Risikofaktoren, außerdem gerate der Herztod beim Sport immer wieder in den Fokus. Die Aufgabe der Ärzte sei es, Risikopatienten zu erkennen und die Erkrankungen zu behandeln, allerdings müssten die Patienten ihren Lebensstil anpassen. Mit Vorbeugen und Erkennen lasse sich vieles vermeiden, gab Dr. Langer-Huber den Gästen mit auf den Weg.

Aktuelles

Alexander Pöschl, Dr. Albert Solleder von der Gesundheitsregion Plus, Dr. Christian Baier, Moderator Prof. Dr. Sebastian Maier, Dr. Regine Langer-Huber, Elke Mehr von der Deutschen Herzstiftung und Dr. Christoph Günter (v. l.) beim diesjährigen Herztag im Magnobonus-Markmiller-Saal

Hinter dem Begriff Herzrhythmus verbirgt sich die Herzschlagfolge, stellte Dr. Christoph Günter fest. Herzrhythmusstörungen werden mit zu langsamem, zu schnellem oder unregelmäßigem Herzschlag definiert. Symptome für Herzrhythmusstörungen sind Herzklopfen, innere Unruhe oder auch das klassische Herzstolpern – dies führe im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod. Die Symptome müssten vom Arzt richtig eingeordnet werden, denn die Folgen, die bis zum Schlaganfall reichen, machten die Erkrankung so gefährlich. „Wenn Sie Herzrhythmusstörungen haben, lassen Sie sich lieber einmal zu viel als zu wenig untersuchen“, so Dr. Günter.

Kleine OP mit örtlicher Betäubung

Die Implantation eines Herzschrittmachers sei eine kleine OP und werde unter örtlicher Betäubung durchgeführt, erläuterte Dr. Christian Baier. Ein implantierter Defibrillator (ICD) schütze zwar vor einem plötzlichen Herztod, könne aber ein krankes Herz nicht heilen. In beiden Fällen liege eine Herzerkrankung zugrunde, deshalb sei weiterhin eine Medikamenteneinnahme, aber auch die Einhaltung eines gesunden Lebensstils erforderlich, wie Dr. Baier deutlich machte. Bei ICD-Patienten können Komplikationen oft sehr spät auftreten, außerdem stelle dies bei einigen Patienten auch eine psychische Belastung dar. Die Einschränkungen im Alltag seien unterschiedlich, zudem unterscheide man wie im Straßenverkehr zwischen Privatfahrern und Berufskraftfahrer. Das Einsetzen des Schrittmachers spüre der Patient nicht, beim ICD allerdings schon, sagte Dr. Baier.

Bei medizinischen Notfällen ist schnelle Hilfe notwendig, eine effiziente Rettungskette sichert dem Patienten gute Überlebenschancen, erklärte Alexander Pöschl. Die Rettungsleitstelle sei unter 112 erreichbar, so Pöschl, und grenzte dies klar vom Ärztlichen Bereitschaftsdienst ab, der ohne Blaulicht und technische Gerätschaft ausgestattet ist. Beim Anruf in der Leitstelle gelte es die fünf „W’s“ abzuarbeiten und vor allem soll der Anrufer nicht sofort auflegen. Zum einen könnten Rückfragen auftauchen, oder die Rettungsleitstelle wirke telefonisch unterstützend. Ein vorhandener Defibrillator soll in jedem Fall genutzt werden. Eine Herzdruckmassage ist anstrengend, sagte Pöschl, bedeute aber für den Patienten eine reelle Überlebenschance.

Info
Der Herztag wurde vom Klinikum St. Elisabeth, MVZ Klinikum St. Elisabeth, der Klinik Bogen, der Praxis Dr. Huber/Dr. Langer-Huber, dem Ärztlichen Kreisverband, der Vhs, der Deutschen Herzstiftung und der Gesundheitsregion Plus organisiert.