Oft müde? Schnell außer Atem?

Probleme mit der Puste beim Treppensteigen können auch ein Anzeichen für eine beginnende Herzschwäche sein. Foto: Christin Klose/dpa

Straubinger Herztag zu „Volkskrankheit Herzschwäche“ geht coronabedingt neue Wege

Vom 1. bis 30. November thematisieren die jährlichen bundesweiten Herzwochen der Deutschen Herzstiftung heuer die Volkskrankheit Herzschwäche. Üblicherweise findet dazu in Straubing ein Herztag, eine Großveranstaltung mit Arztvorträgen statt. Heuer haben die Organisatoren coronabedingt neue Wege dafür gefunden.

Am Sonntag, 15. November, gibt es in Kooperation von Ärztlichem Kreisverband, Gesundheitsregion Plus und Deutscher Herzstiftung auf TV Niederbayern einen digitalen Herztalk mit Prof. Dr. Sebastian Maier, Chefarzt der Kardiologie am Klinikum, Dr. Christoph Günther vom MVZ Kardiologie, Kardiologin Dr. Regine Langer-Huber und Elke Mehr, ehrenamtliche Beauftragte der Deutschen Herzstiftung. „Herztalk statt Herztag“, sagt Prof. Maier.

„Das schwache Herz“ gilt nicht ohne Grund als Volkskrankheit. „Die Herzschwäche zählt zu den häufigsten Anlässen für Krankenhausaufenthalte bei jährlich rund 465000 Klinikaufnahmen“, sagt der Kardiologie-Chefarzt. Experten schätzten die Zahl der Patienten mit diesem Problem auf bis zu vier Millionen allein in Deutschland. Jährlich sterben über 40000 Menschen an Herzinsuffizienz. Tendenz steigend - angesichts einer älter werdenden Gesellschaft. Man spreche sogar von der „unterschätzten Epidemie des 21. Jahrhunderts“, sagt Prof. Maier, „und das in der Zeit einer Pandemie“.

Unspektakuläre, schleichende Symptome

Die Herzschwäche mache sich meistens mit unspektakulären Symptomen und schleichend bemerkbar, nennt Prof. Maier die eigentliche Krux: Kurzatmigkeit, Müdigkeit, geringere Leistungsfähigkeit, geschwollene Beine, Schwindel, Appetitlosigkeit, depressive Verstimmung, nächtlicher Harndrang. Die Betroffenen täten das oft als Altersbeschwerden ab. Dabei sei Herzschwäche eine ernst zu nehmende Erkrankung. Je früher erkannt und behandelt, desto günstiger der Verlauf und vor allem desto höher die Lebensqualität. Deshalb liege es den Akteuren am Herzen, für Ursachen und Warnzeichen zu sensibilisieren. Bei Verdacht sollte man seinen Hausarzt aufsuchen, der mittels EKG und Blutwerten eine Diagnose stellen und gegebenenfalls an einen Kardiologen überweisen kann. Die Kardiologie am Klinikum mit Herzinfarktnetz, 24-Stunden-Herzkatheterlabor mit Chest-Pain-Unit und Intensivstation sei Kooperationspartner des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz und von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zertifiziertes Ausbildungszentrum für interventionelle Kardiologie, so Prof. Maier. Wichtige Ursachen und Risikofaktoren sind wenig überraschend Übergewicht, Rauchen, zu viel Alkoholkonsum, Bluthochdruck, Diabetes, und darüber hinaus zum Beispiel Schilddrüsenfunktionsstörungen, Herzinfarkt, Verkalkung der Herzkranzgefäße, Rhythmusstörungen, Herzklappenfehler, Lungenerkrankungen.

Einer Entgleisung kann man vorbeugen

„Die halbe Miete“ gegen Herzschwäche ist laut Prof. Maier, es nicht zu einer Entgleisung kommen zu lassen. Zur Entgleisung komme es, wenn Medikamente weggelassen, falsch dosiert oder kombiniert würden. Wenn man sich ungesund ernähre, sein Gewicht nicht im Auge behalte, sich zu wenig bewege, rauche oder zu viel Alkohol konsumiere. Ein regelmäßiger Check sollte für Menschen im mittleren Alter und bei familiärer Vorbelastung zudem fix im Kalender stehen. Wo früher Schonung angeraten worden sei, setze die Herzmedizin heute auf körperliche Aktivitäten mit viel Bewegung bei geringem Kraftaufwand wie Spazierengehen, Wandern, Nordic Walking oder Radfahren. Regelmäßiges Ausdauertraining - mit dem Arzt abgestimmt auf die individuelle Leistungsfähigkeit - könnten beitragen, Krankenhausaufenthalte zu reduzieren. Auch vor diesem Hintergrund begrüßen die Herztag-Akteure die Aktivitäten von fünf Straubinger Herzsport-Intensiv-Gruppen sowie einer Bogener Gruppe unter dem organisatorischen Dach des Vitalsportvereins. Die Deutsche Herzstiftung rät Herzpatienten in Zeiten der Corona-Pandemie zur Schutzimpfung gegen Grippe und Pneumokokken. Denn Covid-19 könne bei Herzpatienten zu schweren Verläufen führen. Wer mehr zum Thema Herzschwäche wissen will, kann am 15. November den Fernseher einschalten. Daneben gibt es bei der Deutschen Herzstiftung reichlich Informationsmaterial, das für den medizinischen Laien verständlich aufbereitet ist. -mon-

Zeitungsartikel aus dem Straubinger Tagblatt vom 06.11.2020