Gesundheitspolitischer Schrittmacher

Dr. Martin Huber wird 70

Der Begriff Lobbyist hat leider seine Unschuld verloren auf dem Berliner und Brüsseler Parkett. Dabei gibt es Menschen, die Lobbyisten im besten Sinne sind. Ehrenamtlich wohlgemerkt. Ein solcher Lobbyist ist Dr. Martin Huber. Er ist ein wesentlicher Schrittmacher der Medizinregion Straubing und dabei ein konstruktiver Teamspieler. Er rückt in den Blick, dass Straubing nicht nur von Industrie und Gewerbe lebt, sondern dass auch die Medizinsparte ein bedeutender Wirtschafts- und Standortfaktor ist. Am heutigen Dienstag wird er 70. Nichts mehr als eine Zahl auf dem Papier. „Age is an issue of mind over matter. If uou don’t mind, it doesn’t matter“, hat der Schriftsteller Mark Twain gesagt. Frei übersetzt: Das Alter spielt mit dir ein Spiel um seine Rolle: Spielst Du nicht mit, spielt’s keine Rolle.

Dr. Martin Huber spielt nicht mit. Den markanten runden Geburtstag im Augenwinkel hat er lediglich 2018 seine gastroenterologische/diabetologische Praxis auf Privatpatienten beschränkt und damit sein Arbeitspensum auf – in den Augen eines Durchschnittsmenschen – etwas weniger als Vollzeit heruntergefahren. Vorgenommen hat er sich, wenn er gesund bleibt, bis 75 zu praktizieren wie sein Vater. Die besten Voraussetzungen hat er: Er gehört zu jenen seltenen Menschen, die ein begehrtes Geheimnis hüten: Sein Tag muss mehr als 24 Stunden haben. Und dabei wirkt er selbst im größten Stress wie die Ruhe selbst und dabei noch gut gelaunt. Das können nur Menschen, die das, was sie tun, mit Leidenschaft tun. „Ärzte fangen gewöhnlich dann an Latein zu reden, wenn sie mit ihrem Latein am Ende sind“, sagt der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler. Selbst in menschlich brenzligen Situationen flüchtet sich Dr. Martin Huber nicht ins Latein und bleibt in Augenhöhe mit den Patienten, auch wenn er manchmal schmerzliche Wahrheiten vermitteln muss.

Was er neben seiner „kleinen Praxis“, wie er es nennt, alles macht? Nur ein Abriss: Mit Johann Ertl ist Dr. Martin Huber Geschäftsführer des Rehazentrums, das 58 Mitarbeiter beschäftigt. Er ist Geschäftsführer des Ärztenetzes Donaumed, in dem 88 Fach- und Hausärzte sowie drei Kliniken organisiert sind. Er ist Gesellschafter bei Pallidomo, dem spezialisierten ambulanten Palliativteam in Straubing. Er ist langjähriger Spitzenvertreter des Ärztlichen Kreisverbands, 13 Jahre lang als stellvertretender Vorsitzender, fünf Jahre als Vorsitzender sowie als Delegierter in der Landesärztekammer. Mit seinem Nachfolger Johann Ertl war er eine treibende Kraft bei der Installierung einer Bereitschaftspraxis beim Klinikum zur Entlastung der Notaufnahme von Fällen, die beim Hausarzt an der richtigen Adresse sind. Sie waren damit ihrer Zeit weit voraus. Heute propagiert diese Idee Gesundheitsminister Jens Spahn.

Über zehn Jahre leitete er die Werkstatt der Freunde „Lebensqualität, Familie, Gesundheit und Soziales“ der Freunde der Stadt Straubing. Er ist Mitglied im Forum der Gesundheitsregion Plus. Seit elf Jahren ist er Mit-Initiator und -organisator des Straubinger Ethiktages, der eine überregionale Marke geworden ist und sich um kein noch so unbequemes Thema drückt, seien es Schönheitsoperationen, Burnout oder Sterbehilfe. Heuer ist das Thema „Impfen zwischen Selbstbestimmung und Bürgerpflicht“. Mit Berufskollegen setzt er sich für Organspende ein, hält regelmäßig Vorträge zu Medizinthemen für Laien.

Viele Monate Vorarbeit hat er mit Straubinger Mitstreitern in das Projekt eines Studiengangs „Vernetzte Spitzenpflege“ investiert, der in Straubing und an der Dresden International University stattfinden sollte. Zum Studiengang ist es gekommen, allerdings nur in Dresden.

Aktuelles

Fünf Jahre war er ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht München. Und zweimal – 2008/09 und 2015/16 Präsident des Rotary Clubs Straubing. In der Zeit ist ein Raum im Gäubodenmuseum und das Straubinger Stadtmodell vor der Jesuitenkirche übergeben worden. Mit Dr. Hermann Balle hat er den Wissenschaftspreis ins Leben gerufen, der seit zehn Jahren vergeben wird. Er initiierte und organisiere hochkarätige Benefizkonzerte, deren Erlöse sozialen Projekten dienten. Von ungefähr kommt sein Faible für Musik nicht, Gerold Huber senior ist sein Cousin. Am 8. Dezember lädt Dr. Martin Huber im Nachklang zu seinem Geburtstag zu einer Klassik-Matinee in den Rittersaal ein. Der Erlös soll dem Verein Haus für das Leben zugutekommen, für den sich seine Frau engagiert.

Aufgewachsen ist Dr. Martin Huber in der Zollergasse, hat am Turmair-Gymnasium Abitur gemacht, zunächst in Berlin ein Zahnmedizin-Studium absolviert, ein Humanmedizin-Studium angeschlossen und zunächst am Berliner-Rudolf-Virchow-Klinikum (Charite) gearbeitet. Seit 1987 ist er selbstständiger Vertragsarzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Diabetologie und Tropenmedizin.

Er ist verheiratet mit Kardiologin Dr. Regine Langer-Huber, mit der er auch in einer Praxis zusammenarbeitet. Die Berlinerin ist seit 2014 im Stadtrat vertreten. Straubing ist Heimat für beide, jedes zweite Wochenende den drei Enkeln zuliebe mit Abstechern abwechselnd nach Berlin und Mainz, wo Sohn und Tochter, beides Ärzte, mit ihren Familien leben. In der Freizeit (!) liest und reist der ehemalige Skilehrer und Kunstturner gerne und spielt Golf („gerne, aber schlecht“).

Jetzt können wir uns nur noch wünschen, dass alle Krankenkassen einen Rabattvertrag für sein Rezept abschließen: Wie man viel arbeitet ohne Burnout. Wie man bei manchem Ärger die Freude an der Arbeit behält und vor allem wie man dem Tag ohne Hektik mehr als 24 Stunden abgewinnt. Die Wirksamkeit des Rezepts ist bewiesen. Er selber ist das beste Beispiel.